Die Nonwoven-Industrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der durch Nachhaltigkeitsvorschriften, regulatorischen Druck und sich verändernde Verbrauchererwartungen vorangetrieben wird. Die Hersteller gehen von rein kunststoffbasierten Fasern zu natürlichen und recycelten Alternativen über.
Dieser Wandel eröffnet neue Möglichkeiten für nachhaltige Produktinnovationen, bringt aber auch erhebliche technische Herausforderungen mit sich. Eine der drängendsten ist die starke Zunahme von Staub- und Faserpartikeln während der Produktion - ein Problem, das zuverlässige Lösungen erfordert, wenn Effizienz und Qualität erhalten werden sollen.
Vliesstoffe sind allgegenwärtig: in Hygieneprodukten wie Feuchttüchern, Windeln und Damenhygieneartikeln, in medizinischen Textilien und chirurgischen Einwegartikeln, in Filtrationsmedien für Luft- und Flüssigkeitssysteme, in Akustikauskleidungen und Unterböden für Kraftfahrzeuge, in Geotextilien, Dach- und Baumembranen und sogar in Verpackungen und landwirtschaftlichen Geweben. Dieses breite Anwendungsspektrum unterstreicht, wie wichtig es ist, eine gleichbleibende Qualität bei unterschiedlichen Vliesstofftypen und Produktionslinien zu gewährleisten.



Die Daten hinter der Verschiebung
Die Entwicklung der Branche lässt sich nicht nur am Marketing oder an der Einführung neuer Produkte ablesen, sondern wird auch durch quantitative Daten aus glaubwürdigen Quellen untermauert. In Europa stammen inzwischen mehr als 20 % der rund drei Millionen Tonnen Fasern, die für die Herstellung von Vliesstoffen verwendet werden, aus erneuerbaren Quellen wie Holzzellstoff und Baumwolle. In Nordamerika machen Naturfasern etwa ein Viertel des gesamten Rohmaterials aus und ihr Anteil nimmt stetig zu.
Gleichzeitig sind recycelte Fasern - vor allem recyceltes PET (rPET) - auf dem Vormarsch. In Nordamerika werden inzwischen mehr als 25 % der für Vliesstoffe verwendeten Polyesterstapelfasern aus recycelten Rohstoffen hergestellt, während es vor einigen Jahren noch weniger als 20 % waren. In Europa verarbeiten die Hersteller zusammen mehr als 200.000 Tonnen rPET pro Jahr, wobei geplant ist, diese Zahl bis Mitte des Jahrzehnts auf über 300.000 Tonnen zu erhöhen. Auf der Verbraucherseite ist der Wandel dramatisch: Im Vereinigten Königreich zum Beispiel werden heute etwa 75 % der verkauften Babyfeuchttücher als plastikfrei vermarktet und bestehen vollständig aus biologisch abbaubaren Pflanzenfasern. Diese Zahlen machen deutlich, dass der Übergang zu natürlichen und recycelten Fasern keine Spekulation ist - er ist bereits eine messbare, laufende Realität im Nonwovens-Sektor.
Natürliche und recycelte Fasern: Herausforderung und Chance
Anhand von Begriffen wie Spunbond, Spunlace, Needlepunch, Wetlaid, Meltblown und laminierte Vliesstoffe wird deutlich, dass jede Vliesstofftechnologie unterschiedlich auf die Belastung durch Partikel reagiert. Synthetische Fasern wie Polypropylen, die üblicherweise im Spinnvlies- oder Meltblown-Verfahren verwendet werden, erzeugen aufgrund ihrer gleichmäßigen Filamentstruktur tendenziell weniger Ablagerungen. Im Gegensatz dazu sind Naturfasern (z. B. Bastfasern, Baumwolle, Bambus, Zellstoff) porös, weniger gleichmäßig und setzen bei mechanischer Belastung mehr Feinanteile frei. Recycelte Fasern machen die Sache noch komplizierter: Gemischtes rPET oder wiederaufbereitete Mischungen können Restverunreinigungen oder ungleichmäßige Durchmesser enthalten, so dass sie bei der Handhabung der Bahn eher staubig werden.
Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bahnspannungsregelung, die Kantenführung, die Schnittführungen und die Wickelspannung: Ein höherer Anteil an losen Partikeln stellt die Sauberkeit an kritischen Punkten im Bahnverlauf in Frage, insbesondere in der Nähe von Schneidmessern oder Korona-/Behandlungsstationen. Für Vliesstoffhersteller muss das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen mit der Aufrechterhaltung der Prozessstabilität einhergehen.
Ohne präzise Partikelkontrolle kann die Staubansammlung die Führungsrollen verunreinigen, Sensoren verstopfen, die Qualität der Bahnkanten verschlechtern und die Wartungsintervalle verkürzen. Letztendlich können die Vorteile von Natur- oder Recyclingfasern durch erhöhten Abfall, Ausfallzeiten und Kundenreklamationen beeinträchtigt werden.

Bahnreinigung: Ein strategischer Wegbereiter in der modernen Produktion
In diesem Umfeld ist die Bahnreinigung mehr als nur eine zusätzliche Funktion - sie wird zu einer strategischen Technologie. Moderne, berührungslose Bahnreinigungssysteme entfernen die Partikel an der Quelle und bewahren die Integrität der empfindlichen Faserstrukturen, während sie gleichzeitig die Staubbelastung deutlich senken. Einige Systeme bieten Staubreduzierungsraten von bis zu 90 %, selbst bei schwierigen Substraten. Dadurch können die Produktionslinien zwischen den Wartungszyklen länger betrieben werden, die Fehlerquote sinkt und Kundenreklamationen werden erheblich reduziert.
Darüber hinaus erhöht die verbesserte Luftqualität in der Produktionsumgebung die Sicherheit des Bedienpersonals und hilft den Unternehmen bei der Einhaltung von Arbeitsschutz- und Umweltstandards. In Kombination mit der Automatisierung durch Bahnspannungsregelung, Kantenführung und Slit-to-Register-Systeme kann die Bahnreinigung nahtlos in moderne Verarbeitungs- und Veredelungslinien integriert werden. Aus wirtschaftlicher Sicht können integrierte Systeme zu Produktivitätssteigerungen führen, den Ausschuss reduzieren und sich oft innerhalb eines kurzen Zeitraums amortisieren - was sie nicht nur vertretbar, sondern in einem Markt, in dem Nachhaltigkeit, Ertrag und Konsistenz Hand in Hand gehen müssen, unverzichtbar macht.
Fall im Fokus: Staubfreie Produktion in der Großserienveredelung
Ein führender Vliesstoffhersteller in Südeuropa ist ein Beispiel dafür, wie entscheidend die Bahnreinigung bei der Ausweitung der Naturfaserproduktion sein kann. Vor mehr als zehn Jahren führte dieses Unternehmen sein erstes KELVA-Vliesreinigungssystem ein und erzielte damit messbare Verbesserungen bei Produktivität und Qualität.
Als der Hersteller in den Bereich der Naturfaservliese expandierte, stiegen die Staubemissionen an einer neu installierten Schneide-, Wickel- und Konvertierungsanlage, die Jumbo-Rollen mit einer Breite von bis zu drei Metern verarbeitet, drastisch an. Besonders stark war die Staubbildung in der Schneidphase, wo die Scherung an den Messerkanten und die Übergänge der Bahnspannung Turbulenzen erzeugen. Herkömmliche Reinigungsstrategien konnten damit nicht Schritt halten.
Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde ein zweites KELVA-Bahnreinigungsmodul unmittelbar nach der Schneidpartie installiert, wo der Staubanfall am größten ist. Die Auswirkung war eindeutig: Die Filterbehälter des Systems müssen jeden zweiten Tag geleert werden, was die Menge an Feinstaub widerspiegelt, die entfernt wurde, bevor sie in die nachgeschalteten Einheiten eindringen konnte. Das Entscheidende ist, dass seit der Inbetriebnahme dieser zweiten Anlage die Kundenbeschwerden auf Null zurückgegangen sind. Was zuvor ein ständiges Qualitätsrisiko darstellte, ist nun ein Beispiel für eine stabile, saubere und nachhaltige Produktion unter den anspruchsvollen Bedingungen der Naturfaserverarbeitung.

Ausblick: Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit in Einklang bringen
Die globale Nonwoven-Industrie verlagert sich eindeutig auf natürliche und recycelte Fasern. Dieser Wandel wird durch den steigenden Anteil biobasierter Fasern und rPET in den wichtigsten Märkten quantitativ bestätigt. Dieser Wandel stellt jedoch auch höhere Anforderungen an die Prozesskontrolle, insbesondere in Bezug auf Staubmanagement, Vlieshandhabung und Kontaminationsschutz.
Die Bahnreinigung ist nicht länger optional - sie ist eine grundlegende Technologie, die im Zeitalter nachhaltiger Vliesstoffe hohe Leistungen ermöglicht. Sie sorgt für saubere Vliese, gleichbleibende Qualität und weniger Defekte und ermöglicht es den Herstellern, die Umweltvorteile neuer Materialien voll auszuschöpfen, ohne Abstriche bei der Zuverlässigkeit oder dem Durchsatz zu machen. Auf diese Weise schließt die Bahnreinigung die Lücke zwischen ökologischer Verantwortung und industrieller Spitzenleistung.
Kontakt
Unsere Experten helfen Ihnen gerne weiter. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!